
Zwischen Angst und Stolz – Junge Menschen über die Wahl
Wie reagieren junge Menschen auf das Wahlergebnis? Zwischen Zukunftsangst, Stolz und dem Wunsch nach mehr politischer Teilhabe gehen die Meinungen auseinander.
Koblenz/Mainz (dpa/lrs) -
Jung, politisch, gespalten: Nicht nur beim Wahlverhalten gehen die jungen Menschen in Rheinland-Pfalz deutlich auseinander – auch ihre Reaktionen auf das Ergebnis fallen sehr unterschiedlich aus. Ihre Einschätzungen geben Einblick in die Sorgen und Erwartungen ihrer Generation. «Es ist natürlich schade, dass eine undemokratische Partei stärkste Kraft wurde», sagte der 18 Jahre alte Leo aus Koblenz über die Wahlentscheidungen der Jungwähler.
Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen am Wahltag ergab, dass 21 Prozent der 18- bis 24-Jährigen die AfD wählten. Auf Platz zwei folgt demnach die Linke mit 19 Prozent, die bei jungen Menschen deutlich mehr punkten konnte als im Gesamtschnitt.
Leo hat in diesem Jahr zum ersten Mal bei einer Landtagswahl gewählt und war auch Wahlhelfer. Seiner Meinung nach könne man das starke Ergebnis der AfD nicht nur auf «Frust» oder «Protestwählen» zurückführen, sondern vielmehr auf mangelnde Einbindung von Jugendlichen in politische Prozesse. «Wenn Jugendliche das Gefühl haben, nicht gehört zu werden, lassen sie sich leichter von Populismus ansprechen», sagte der 18-Jährige. Er sieht eine klare Spaltung und Radikalisierung in der Generation.
Wahlsieger CDU bei Jüngeren eher schwach
Die SPD landet bei den Jungwählern mit 18 Prozent auf Platz 3, wie die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte. Die CDU schneidet in dieser Altersgruppe mit 14 Prozent vergleichsweise schlecht ab. Die Grünen kommen unter den jungen Wählern im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz auf 9 Prozent.
Weitere Parteien bleiben in dieser Altersgruppe deutlich dahinter: Die Freien Wähler erreichen bei den unter 25-Jährigen 5 Prozent, die FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommen jeweils auf 4 Prozent. Für die Partei Volt Deutschland entschieden sich 3 Prozent und auch sonstige Parteien erzielen zusammen 3 Prozent.
Erschreckend bis hoffnungsvoll
Marie (19) aus Koblenz findet das hohe AfD-Ergebnis bei den unter 25-Jährigen «unglaublich erschreckend». Es mache ihr große Angst vor der Zukunft. «Gleichzeitig verdeutlicht das Wahlergebnis, wie verunsichert und überfordert die jungen Menschen sind, was mit Blick auf die weltweiten Krisen und den Social-Media-Konsum, um ehrlich zu sein, wenig erstaunlich ist.» Dem schließt sich auch Max (20) an: «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich viele junge Menschen alleingelassen fühlen.»
Anders sieht das Marie (23) aus Koblenz. Das Ergebnis mache sie stolz und hoffnungsvoll. «Einige der Gründe, warum ich AfD gewählt habe, sind, dass andere Länder ganz selbstverständlich stolz auf ihr Land sein dürfen, nur wir Deutschen dürfen das nicht, und dazukommt, dass ich als junger Mensch nur davon träumen kann, mir trotz harter Arbeit, ein Haus leisten zu können, weil die Wirtschaft im Niedergang ist», sagt sie. Deshalb sei sie auch in die Partei eingetreten, «damit meine Generation sich ebenfalls etwas aufbauen kann, so wie ich selbst», sagt sie.
Wie das Gesamtergebnis aussieht
Über alle Altersgruppen hinweg entstand ein deutlich anderes Bild als bei den Jungwählern: Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters kam die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Gordon Schnieder auf 31,0 Prozent und damit deutlich mehr als die regierende SPD mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer (25,9). Die AfD erreichte 19,5 Prozent – und damit von allen Parteien die höchsten Zuwächse. Für sie war es das beste Resultat bei einer Landtagswahl in einem westdeutschen Bundesland.
Die bislang an der Ampel-Regierung beteiligten Grünen erhielten 7,9 Prozent der Stimmen. Die Linke (4,4), die FDP (2,1) und auch Freie Wähler (4,2) scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde.
«Die Basis für den CDU-Wahlsieg legt sehr klar die ältere Generation», schreibt die Forschungsgruppe in ihrer Analyse zur Wahl. Demnach konnte die CDU vor allem bei den ab 60-Jährigen punkten.
dpa
Bild: Bei den jungen Wähler ist die AfD die stärkste Kraft. | Hannes Albert/dpa
Berichterstattung regional und aktuell aus Koblenz und der Region Mittelrhein.















































