Elias feiert Special Olympics mit einem «Hurraaa!» im Herzen

 

Elias feiert Special Olympics mit einem «Hurraaa!» im Herzen

Wochenlang hat Elias seinen Kuscheltieren vom großen Tag erzählt. Dann trägt der Achtjährige mit Down-Syndrom die «Flamme der Hoffnung» durch Saarbrücken – und wird von einer ganzen Stadt gefeiert.

Saarbrücken (dpa/Irs) -

Seit Tagen gibt es für Elias nur noch ein Thema: den Fackellauf der Special Olympics. Voller Stolz erzählt der Achtjährige jedem, dass er Fackelträger ist. Sogar seinen Kuscheltieren erklärt er immer wieder, was ihn am Montag erwartet. Dann ist es endlich so weit.

Mit einem breiten Lächeln trägt der Junge aus Saarbrücken die «Flamme der Hoffnung» die letzten Meter bis zur Europa-Galerie. Hunderte Menschen jubeln ihm zu. Feuerwehrfahrzeuge schalten das Blaulicht ein, Kinder winken. Erwachsene zücken ihre Handys. Einige haben Tränen in den Augen. Für einen Moment gehört Elias die ganze Bahnhofstraße. «Heute ist Elias der Star», sagt seine Mutter Stephanie Lade.

Der Achtjährige hat das Down-Syndrom und dürfte nach Angaben seiner Familie einer der jüngsten Teilnehmer des Fackellaufs gewesen sein. Schon die Suche nach einem passenden Fackelträger-Trikot erwies sich als Herausforderung. Die üblichen Größen waren dem Zweitklässler der Grundschule am Ordensgut schlicht zu groß. 

Die Vorfreude auf den großen Tag war entsprechend riesig

Nach dem Unterricht wurden zu Hause die letzten Vorbereitungen getroffen. Unterstützer-Shirts wurden verteilt, Freunde begrüßt und die Trikots angezogen. Anschließend ging es zum Rathaus St. Johann, dem Startpunkt des Fackellaufs.

Eine Frage beschäftigte Elias besonders

«Er hat tagelang gefragt, ob seine Feuerwehr 13 wirklich kommt», erzählt Stephanie Lade. Gemeint ist der Löschbezirk 13 St. Johann der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken. Dort engagiert sich seine Mutter, viele Einsatzkräfte kennen den Jungen seit Jahren.

Gemeinsam mit Helfern des Technischen Hilfswerks, Freunden, Verwandten, Mitschülern, Lehrkräften und Vereinsmitgliedern bildeten sie entlang der Strecke eine große Jubelzone. Neben dem Löschbezirk 13 unterstützte auch die Freiwillige Feuerwehr Saarbrücken-Alt den Jungen lautstark beim Zieleinlauf. Aus einem ursprünglich kleinen Empfang wurde eine beeindruckende Kulisse. «Seine Freude steckt einfach andere Menschen an», sagt Lade.

Der Fackellauf bildet den offiziellen Auftakt der Special Olympics im Saarland, die noch bis Samstag laufen. Die «Flamme der Hoffnung» steht für die Werte der weltweit größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung: Respekt, Teilhabe, Gemeinschaft und Inklusion.

Zehn Tandempaare aus Menschen mit und ohne geistige Behinderung trugen die Flamme in einem Grubenlicht durch die Saarbrücker Innenstadt. Die Flamme selbst befand sich in einer Grubenlaterne, die aus Sicherheitsgründen an einem Holzträger befestigt war. Wegen der Hitze konnte die Laterne nur gemeinsam getragen werden.

Dort wartete Elias auf seinen großen Auftritt

Gegen 17.40 Uhr übernahm Elias die Flamme. Die Station wurde vom Verein Saar 21 gestaltet, einer saarländischen Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Trisomie 21 und ihren Familien. Dort findet auch Elias Familie seit Jahren Unterstützung und Austausch.

Von hier aus durfte Elias gemeinsam mit seiner Mutter den letzten Abschnitt bis zur Bühne an der Europa-Galerie zurücklegen. Zusammen hielten sie die Grubenlaterne und trugen die «Flamme der Hoffnung» durch die jubelnde Menschenmenge. Die Bedeutung der Special Olympics kann der Achtjährige zwar nur teilweise erfassen. Dass etwas Außergewöhnliches bevorsteht, hatte er jedoch längst gespürt.

Auf Fackellauf vorbereitet

Zur Vorbereitung schaute er gemeinsam mit seiner Mutter Videos früherer Fackelläufe an. Außerdem liefen beide die Strecke mehrfach ab. Ein Besuch beim Fackellauf in Homburg nahm zusätzliche Unsicherheiten. Dort zeigte sich, wie wohl sich Elias inmitten jubelnder Menschen fühlt. Ein Gehörschutz blieb im Rucksack. 

In Saarbrücken allerdings war die Begeisterung so groß, dass auf den Gehörschutz nicht verzichtet werden konnte. Das Zusammenspiel aus Musik, Blaulicht und den vielen jubelnden Menschen entlang der Strecke war für den Achtjährigen schlicht zu laut.

«Er ist einfach losgelaufen, hat gewinkt, gesungen und sich über alle gefreut», sagt Stephanie Lade. Genau so erlebt ihn auch Saarbrücken an diesem Abend. Immer wieder winkt Elias den Zuschauern zu. Immer wieder lacht er. Sein typisches «Hurraaa!» hallt mehrfach durch die Bahnhofstraße.

Viele Menschen reagieren spontan. Sie klatschen, rufen seinen Namen oder halten den besonderen Augenblick mit ihren Handys fest. «Oft stehen bei Kindern mit Behinderung die Dinge im Mittelpunkt, die nicht gehen», sagt seine Mutter. «Heute geht es um das, was möglich ist.» Genau das scheint sich an diesem Abend zu zeigen. Nicht die Behinderung steht im Mittelpunkt. Sondern ein Junge, der mit seiner Lebensfreude die Herzen der Menschen erobert.

Aufmerksamkeit gilt nicht den Politikern

An der Europa-Galerie wird die «Flamme der Hoffnung» schließlich von Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt, Innenminister Reinhold Jost, der Präsidentin von Special Olympics Deutschland, Christiane Krajewski, sowie Bundesathletensprecher Dennis Mellentin in Empfang genommen. Anschließend wird sie zur Eröffnungsfeier ins Ludwigsparkstadion weitergetragen.

Die größte Aufmerksamkeit gilt in diesem Moment jedoch nicht den Politikern auf der Bühne. Sie gehört einem achtjährigen Jungen mit einem viel zu großen Trikot, einem riesigen Lächeln und einer Begeisterung, die ansteckend wirkt. Oder wie Elias selbst seit Tagen sagt: «Mama, ganz viel tanzen – alle müssen feiern!»

dpa

Bild: Elias (8) trägt gemeinsam mit seiner Mutter Stephanie Lade die Grubenlampe, das Symbol des Fackellaufs der Special Olympics, auf einem Holzträger durch die Saarbrücker Innenstadt. | Laszlo Pinter/dpa

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Datum: 16.06.2026
Rubrik: Lokales
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